Sicherheitssysteme in Kernkraftwerken erfordern eine bewährte und betriebssichere Technologie, die ein Höchstmaß an Systemverfügbarkeit gewährleistet. Aus diesem Grund entschied sich AECL (Atomic Energy of Canada Limited) ein Sicherheitssystem auf
Basis der bewährten VME Technologie zu implementieren. Es arbeitet heute weltweit in sämtlichen Kraftwerken fehlerfrei.
Das weltweit erste zivile Kernkraftwerk ging 1954 in Obninsk, UdSSR ans Netz. Der Reaktor produzierte rund fünf Megawatt, was damals
ausreichte, um 2.000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Mittlerweile decken weltweit 435 Kernkraftwerke in 31 Ländern rund 17 % des weltweiten Strombedarfs.
Für den sicheren Betrieb, erfordern Kernkraftwerke Sicherheitssysteme mit extrem hoher Verfügbarkeit. Ein Vorreiter bei der Erforschung der Nuklearsicherheit ist das Unternehmen AECL.
Gegründet 1952, hat AECL die CANDU® (Canada Deuterium Uranium) Reaktortechnologie mitsamt dem CANDU 6® Reaktor entwickelt – einer der
weltweit leistungsstärksten Kernkraftreaktoren.
Zu den Sicherheitseinrichtungen des Reaktors gehören zwei voneinander unabhängige höchst betriebssichere Abschaltsysteme, SDS1 und SDS2
(Safety Shutdown System), die den Reaktor bei einem Störfall automatisch abschalten. Die Steuerung des Sicherheitsabschaltsystem
SDS2 von AECL verfügt über eine elektronische Steuerung auf Basis der bewährten VME Technologie.

Das auf der bewährten VME Technologie basierende
Sicherheitsabschaltsystem 2 (SDS 2) überwacht
die sicherheitskritischen Parameter im Qinshan Phase III
Kernkraftwerk in China.
Das Sicherheitsabschaltsystem (SDS)
Kernkraftwerke nutzen Kernspaltung in einer kontrollierten Kettenreaktion um Hitze zu erzeugen. Der damit erzeugte Wasserdampf treibt eine Dampfturbine
zur Elektrizitätserzeugung an. Wenn sich die Kettenreaktion beschleunigt, kann die Wärmeentwicklung im Reaktor ein gefährliches Niveau erreichen. In diesem Fall muss die Kettenreaktion gestoppt und der Reaktor schnell und sicher abgeschaltet werden. Dies wird von den zwei Sicherheitsabschaltsystemen des Reaktors SDS 1 und SDS 2 gesteuert. Die beiden voneinander unabhängigen Systeme überwachen fortlaufend alle sicherheitsrelevanten Parameter innerhalb des Reaktors. Jedes einzelne System besteht aus drei unabhängigen Sicherheitskanälen (dreiadrige Logikschaltung), die in einer „2 von 3“ Logik geschaltet sind. Wenn die Werte von zwei der drei Kanälen in nur einem der beiden Systeme festgelegte Grenzwerte überschreiten, wird eine Schnellabschaltung (Reaktorschnellschluss) aktiviert.
Betriebssichere Technologie für sicherheitskritische Anwendungen
Sicherheitskritische Anwendungen wie die Sicherheitsabschaltsysteme erfordern eine robuste, betriebssichere und bewährte Technologie, die unter allen vorstellbaren Umständen einwandfrei funktioniert, wie z. B. im Falle eines Erdbebens oder bei extremen Temperaturschwankungen. Außerdem müssen die Systeme mit anderen elektronischen Bauelementen elektromagnetisch kompatibel sein und sich langfristig bewähren. So macht AECL zur Bedingung, dass die entsprechenden Komponenten einen Alterungstest von 40 Jahren überstehen müssen. Die Sicherheitsabschaltsysteme müssen den höchsten Fertigungsstandards entsprechen. Die geforderte Betriebssicherheit liegt auf dem gleichen Niveau wie bei Sicherheitssystemen in der Luftund
Raumfahrt-, Militär- und Medizintechnik. Die
eingesetzten Systeme müssen auf einer bewährten
Technologie basieren und Härtetests hinsichtlich
seismischer Aktivität, EMV (elektromagnetischer
Verträglichkeit), Temperaturschwankungen,
Schock, Vibration und Lebensdauer bestehen.
Um optimale Sicherheit zu gewährleisten, werden
die beiden SDS-Systeme jeweils von verschiedenen
Anbietern geliefert. Auf diese Weise wird höchste
Betriebssicherheit garantiert, denn so kann sich
eine unvorhersehbare Fehlfunktion in einem der
beiden SDS Systeme nicht in dem zweiten, unterschiedlichen
System wiederholen. AECL benötigt
daher kompetente Partner, deren Systeme robust
genug sind, um die harten Anforderungen an die
elektromagnetische Verträglichkeit sowie extreme
mechanische und thermische Robustheit zu
erfüllen. Zudem müssen die Anbieter nicht nurüber das nötige Fachwissen verfügen, sondern
auch den nötigen Support langfristig, über die
erstmalige Installation der Systeme hinaus zu liefern.
Nach der Evaluation der jeweiligen Produkte
und Services verschiedener Anbieter entschied
sich AECL für Kontron als Partner für das SDS
2 System. In enger Kooperation mit AECL, entwickelte
Kontron ein VMEbus System das allen
Anforderungen entsprach. Seit 1981 ist VME eine
gängige und bewährte Technologie die speziell
für Anwendungen mit einer 99,9999 %igen
Verfügbarkeit entwickelt wurde und ist somit ideal
für ein solches sicherheitskritisches und langzeitverfügbares
Projekt geeignet.
Kontron lieferte die programmierbaren digitalen
Komparatoren PDC (Programmable Digital
Comparators) für das Safety Shutdown System 2.
Insgesamt besteht das SDS 2 aus sechs Komparatoren– zwei PDCs für jeden der drei in ihrer Funktion
identischen Sicherheitskanäle.

Einer der robusten Kontron PDCs zur Überwachung von
sicherheitskritischen Werten im CANDU Reaktor. |
Um alle sicherheitskritischen
Parameter, wie z. B. den Pegel des
Wärmetauschers, den Druck des Kühlkreislaufs und
den Druck der Versorgungswasserleitung etc., zuüberwachen und verarbeiten sind jeweils zwei PDCs
nötig.Jedes einzelne PDC besteht aus einem VM30
CPU Board, 3 analogen I/O Boards, 6 digitalen I/O
Boards, 10 Boards zur Signalaufbereitung, 8 Boards
für den Überspannungsschutz und 12 Isolation-
Module sowie den benötigten Netzteilen und Kabeln. Kontron lieferte alle Komponenten und die dazugehörigen
19“-Gehäuse. Die 19“-Chassis sind wiederum
in einem erdbebengeschütztem Serverschrank
untergebracht. Sensoren innerhalb des Reaktors
liefern die Daten über den Reaktorzustand. Diese
Daten werden über die analogen und digitalen I/Os
an die PDCs übermittelt. Eine von AECL in Modula-2,
einer Weiterentwicklung von Pascal, programmierte
Software vergleicht die Messdaten mit den festgelegten
Sollwerten. Liegen
die Messwerte außerhalb der Sicherheitstoleranz, sendet
das PDC ein Signal, um die
Notabschaltung zu initiieren.
Der Reaktor wird jedoch
erst dann heruntergefahren,
wenn mindestens zwei
der drei Sicherheitskanäle
das Signal geben. Die „2
von 3“ Auswahllogik wirdüber unabhängigen Relais
realisiert und bietet Schutz
gegen eine unnötige
Notabschaltung, etwa durch
eine Fehlfunktion in einem
der SDS 2 Kanäle.
Die Software läuft ohne separates Betriebssystem
auf der Kontron VM30, was auch mehr Sicherheit
bedeutet, da mögliche Fehler durch ein zusätzliches
Betriebssystem ausgeschlossen werden können.
Ausreichend Rechenleistung und höchste
Zuverlässigkeit sind Voraussetzung für eine optimale
Sicherheit. Beides wird durch die RISC basierte
Prozessor-Plattform von Motorola gewährleistet. So
werden die Reaktorwerte alle 40 ms abgefragt, um
beim ersten Anzeichen eines Problems den Reaktor
sicher abschalten zu können. Ein zusätzliches
Sicherheitsfeature stellt der Hardware Watchdog
Timer dar, der dazu dient, die PDC Funktionalität
selbst zu überwachen und bei einer Störung des
PDCs selbst, den Sicherheitskanal abzuschalten.
Zusätzlich werden alle vom PDC verarbeiteten
Werte mittels der digitalen und analogen Outputs
ins Kontrollcenter übermittelt, so dass die Betreiber
die Messwerte permanent überwachen können. |
Strenge Tests und intensive Diagnose
Bevor das System an AECL übergeben werden
konnte, haben unabhängige Experten alle in den
PDCs verwendeten Kontron Boards rigoros auf ihre
Tauglichkeit hinsichtlich Erdbebensicherheit, EMV,
Temperaturverträglichkeit, Schock und Vibration
getestet. Dieses „proof of concept“-Verfahren
garantiert, dass jedes Bauelement auch unter widrigsten
Umständen betriebstüchtig bleibt.
Kontron
hat außerdem Factory Acceptance Tests (FAT) im
Beisein von AECL Mitarbeitern an seinem Standort
in Kaufbeuren in Deutschland durchgeführt, um
die Funktionalität jedes einzelnen Boards und
Bauelements sicherzustellen.
Nach Auslieferung des Safety Shutdown Systems,
testete AECL nochmals die Funktionalität aller
Bauteile vor Ort, bevor das System in Betrieb
genommen wurde. Nach Inbetriebnahme ist eine
regelmäßige Wartung zwingend erforderlich, um die zuverlässige Funktion aller Bauelemente |
| zu garantieren.
Aus diesem Grund hat AECL Kontron damit
beauftragt, ein Wartungs- und Diagnosesystem
zu entwickeln, um jederzeit neben neuen Boards
auch die in den PDCs verwendeten Boards zu
testen. Dazu werden die zu testenden Boards in
das 19“-Rack des |

Das Instandhaltungs- und Diagnosesystem ermöglicht es
den Betreibern, die Funktionalität aller SDS 2 Bauelemente zu
überprüfen. |
Wartungs- und Diagnosesystems
eingesetzt. Die speziell von Kontron entwickelte
iagnosesoftware läuft auf einem VM30 Board unter
dem Echtzeitbetriebssystem OS-9. Die Steuerung
erfolgt über einen Terminalrechner, den robusten
Kontron VL203 Industrieserver mit Intel® Prozessor, Keyboard und TFT-Bildschirm. Mittels der
Emulationssoftware, die auf dem Kontron VL203
unter Windows läuft, wird der Benutzer durch das
Diagnoseverfahren geleitet. Durch Auswahl der entsprechenden
Menüoptionen kann die Funktionalität
aller SDS 2 Komponenten
getestet werden, wie
z. B. der Kontron VMEProzessor
Boards, einschließlich
der Echtzeituhr
und Digitaluhr sowie des
dynamischen RAMs, des
statischen RAMs und des
Inhalts des VM30 EPROM.
Die Betreiber können auch
die Betriebstüchtigkeit
aller digitalen und nalogen
I/O Boards und des
Watchdogs überprüfen.
Dokumentation und Schulung
Als Teil des Projektes hat Kontron über 3000 Seiten
detaillierte Dokumentation zum System geliefert,
mitsamt einer detaillierten Betriebsanleitung und
Wartungshandbuch mit Schaltplänen. Weiterhin
erhielt AECL die ausführliche Dokumentation der
Testabläufe und Ergebnisse der unabhängigen
Erdbeben-, EMC- und anderer Tests, die das System
erfolgreich bestanden hat, sowie die vollständigen
Unterlagen der Factory Acceptance Tests. Die AECL
Mitarbeiter nahmen außerdem an einer 1-monatigen
Intensivschulung zum SDS 2 System teil.
Weltweiter Einsatz
SDS 2 Systeme sind in CANDU Kernkraftwerken weltweit
im Einsatz, wie u.a. in Wolsong (Südkorea),
Qinshan III (China) und Cernavoda (Rumänien).
Dank ihres fehlerfreien Betriebs garantieren sie
für die hohen Sicherheitsstandards in modernen
Atomkraftwerken. Solche sicherheitskritischen
Anwendungen veranschaulichen den fortwährenden
Bedarf an VME basierten Systemen und erfahrenen
Anbietern, die das nötige Fachwissen mitbringen,
um Systeme zu entwickeln und in Betrieb zu
nehmen, die den höchsten Sicherheitsstandards
entsprechen. Beeindruckt von der Qualität und der
Betriebssicherheit von Kontron’s VME-Produkten
|
sowie der guten Kooperation und Kontron’s gutem
Service, hat sich AECL bereits zu weiteren Projekten
mit Kontron entschieden: So bietet Kontron nicht
nur eine große Auswahl an Produkten, die in den
verschiedenen AECL Applikationen benötigt werden,
sondern liefert darüber hinaus auch kundenspezifische
Lösungen sowie den nötigen langfristigen
technischen Support |
VMP3 CPU Board von Kontron |
Kontrons neuester Zugang zur Familie 3U und
6U VME Prozessor Boards ist das VMP3 3U VME
CPU Board mit Freescale PowerQUICC III RISC
Prozessor MPC8541. Der bis maximal 660 MHz
getaktete PowerPC zeichnet sich durch hervorragende
Performance (1520 MIPS bei 660 MHz nach
Dhrystone 2.1) bei reduziertem Energieverbrauch
aus (10W bei 660 MHz) und bietet darüber hinaus
zwei integrierte Gigabit-Ethernet-Schnittstellen.
Die integrierte Hardware Security Engine unterstützt
die Verschlüsselung nach IPSec, DES,
3Des und AES. Diese Features sowie das sehr
schnelle DDR-SDRAM machen die VMP3 zu einer
universellen Prozessorkarte für rechenintensive
Echtzeitanwendungen z. B. in der industriellen
Automation, im Transportwesen und in der
Militärtechnik.
Das 100 x 160 mm große 3HE Board verfügtüber bis zu 256 MB gelöteten DDR-SDRAM, 16
MB Flash, 1MB gepuffertes SRAM und EEProm für
Anwender- und Konfigurationsdaten. Optional
ist ein Sockel für CompactFlash-Speicherkarten.
Die beiden Gigabit-Ethernet-Schnittstellen werden
durch ein Fast-Ethernet-Interface und eine
serielle Schnittstelle ergänzt. Für Debugging
und Onboard-Programmierung gibt es ein JTAG/
BDM-Interface. Weitere Features sind Watchdog,
Echtzeituhr und ein Temperatursensor. Die VMP3
ist für den Temperaturbereich von 0°C bis 60°C
ausgelegt und optional für den rweiterten
Temperaturbereich von -40°C bis +85°C erhältlich.
Als Softwaresupport stehen ein betriebssystemunabhängiger
Bootloader mit
Netzwerkunterstützung sowie Linux und VxWorks
Board Support Packages zur Verfügung. |
Das VME Bussystem
VME Bustechnologie ist eine robuste, modulare
19” Computerarchitektur, die auf der physikalischen
Anordnung der Eurocard 3U und 6U
basiert. Sie ist die führende Bustechnologie
für Embedded-Anwendungen und ist der global
anerkannte Standard - ANSI/IEEC 1014-1987
für 32-bit VME und ANSI/VITA 1-1994 für die
64-bit Version. Aktiv unterstützt von VITA
(VMEbus International Trade Association), ist
VME eine offene Technologie, die eine Auswahl
von tausenden Produkten von einer Vielzahl
von Anbietern offeriert. Sie ist prozessorunabhängig
und kann z. B. mit dem CISC CPU von
Motorola sowie Intel®, Freescale und SPARC
Prozessoren verwendet werden.
VME Technologie ist somit extrem flexibel
und kann leicht den Anforderungen der individuellen
Anwendungen angepasst werden.
Ihre hohe Skalierbarkeit ermöglicht echte
Multiprozessor-Performance von 1 bis 21
Prozessoren und liefert die idealen Bedingungen
für Echtzeitanwendungen in den Bereichen
industrielle Automation, Prozesssteuerung und
Robotik sowie in der Luft- und Raumfahrt, der
Telekommunikation und anderen Anwendungen,
die hohe Verfügbarkeit und Rechenleistung bei
rauen Umweltbedingungen erfordern. |
Über AECL
AECL ist ein Nukleartechnologie-Unternehmen, das die volle
Bandbreite an Dienstleistungen für Nuklearbetreiber weltweit
liefert. Gegründet 1952, ist AECL im Bereich von Entwicklung
und Bau von CANDU Technologie tätig. Das Unternehmen
hat sich auf eine Reihe von hochentwickelten Produkten und
Dienstleistungen in der Nuklearenergie spezialisiert, die wichtige
Bestandteile der Energieprogramme in vier Kontinenten
sind. AECL bietet Forschung und Entwicklung, technische
Unterstützung, Entwicklung und Konstruktion, Bauleitung,
spezialisierte Technologie, Sanierung, Abfallentsorgung
und Außerbetriebsetzung zur Unterstützung von CANDU
Reaktorprodukten.
www.aecl.ca |
Über Kontron
Kontron entwickelt und fertigt sowohl standardbasierte als auch
kundenspezifische embedded und Rugged Mobile Lösungen
für OEMs, Systemintegratoren und Anwendungsanbieter
in verschiedensten Marktsegmenten. Die Entwicklungs und
Fertigungsstandorte von Kontron in ganz Europa,
Nordamerika und der asiatisch-pazifischen Region arbeiten
mit einer globalen Vertriebs- und Supportorganisation zusammen,
die den Kontron Kunden hilft, ihr Time-to-Market
zu reduzieren und Wettbewerbsvorteile zu erzielen.
Das
vielfältige Produktportfolio von Kontron umfasst: Boards und
Mezzanine-Karten, Computer-On-Module, HMIs und Displays,
Systeme und Fertigung nach Kundenwunsch. Kontron ist
Premier Mitglied der Intel® Embedded and Communications
Alliance. Das Unternehmen wurde zuletzt drei Mal in Folge
von VDC als „Platinum Vendor” für „Embedded Boards“
ausgezeichnet. Kontron ist im deutschen TecDAX unter der
Wertpapierkennung „KBC“ gelistet.
www.kontron.com
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